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Samstag, 10. Mai 2008

JEDER RAUM ERZÄHLT EINE GESCHICHTE

«Farbe ist der Beginn («starting point») jeder Einrichtungsarbeit», sagt Interior Designerin Kathryn M. Ireland, und Individualität ist das sichtbare Ergebnis dieses Designprozesses: «Jeder Raum soll die Geschichte seiner Besitzer erzählen.»
Kathryn Ireland hilft ihren Kunden, diese Erzählungen in dreidimensionalen Bildern festzuhalten, dh. den Raum zu gestalten. Die gebürtige Engländerin ist eine der wichtigsten Vertreterinnen des klassischen Country-Stils in Amerika und eine viel beschäftigte Innenarchitektin. Komiker Steve Martin und Schauspielerin Jane Seymour sind wie viele andere dem Charme ihrer Arbeit längst erlegen.

Das aktuelle Buch von Kathryn Ireland «Classic Country» vermittelt ein Lebensgefühl und ist ein guter Führer auf dem Weg zum Country-Feeling in den eigenen vier Wänden. Kathryn Ireland spielt dabei gekonnt mit den Traditionen zwischen der französischen Riviera, dem englischen «country» und dem amerikanischen Westen.
Interessanterweise beginnt sie die Von-Raum-zu-Raum-Beratung in der Küche, die in früheren Zeiten bei Farmern und Bauern der Mittelpunkt des täglichen Lebens war. Die gezeigten Beispiele (darunter eigene Anwesen der Designerin) sind grosszügig geschnitten, Tische laden zum Verweilen ein, an den Wänden hängen Töpfe und Knoblauchzöpfe. Gemütlich und sehr einladend.
Weil Kathryn Ireland sich bewusst ist, dass nicht jeder eine Küche mit Traummassen besitzt, gibt sie Tipps, wie man eine Küche «grösser» erscheinen lässt (z.B die Hängeschränke weglassen) und plädiert für gutes Licht (das gilt übrigens für das ganze Haus).


Eine Küche lässt sich mit Stoffen wohnlich gestalten/ ein gedeckter Tisch

Vieles lässt sich mit Stoffen erreichen: dunkle Ecken aufhellen, ungünstige Elemente kaschieren und Vorzüge betonen (gilt ebenfalls für das ganze Haus). Im Buch werden immer wieder Musterkombinationen gezeigt – von rotem Paisley mit Karos und einem neutralen Beige bis zu Streifen in Blau mit Blumen. Manche Kritiker unterstellen Ireland diesen Teil als Eigenwerbung. Aber sie hat eine erfolgreiche Stoffkollektion aufgebaut und bringt diese in ihre Arbeit ein. Die Präsentationsform ist somit nicht weit hergeholt.


Die aktuelle Stoffkollektion «Marrakesh» 2008/ das Cover

Die Wohnräume: Die in Amerika weit verbreiteten «Family Rooms» und «Morning Rooms» sind wohnliche Räume in warmen Farben und mit bequemen Möbeln ausgestattet. Kathryn Ireland ist jedoch kein Freund von Stereotypen; wenn es Licht und Raum verlangen, arbeitet sie minimalistisch und mit kühlen Akzenten.


Ob klassischer oder «kühler» Country-Stil: Kathryn Ireland spielt mit Traditionen

In den Schlafzimmern kommt der «klassische englische Countrystil» am deutlichsten zum Vorschein: Patchworkdecken liegen auf den Betten, passende Bettvolants und -vorhänge runden das Gesamtbild ab. Im Gegensatz zu den Wohnräumen ist die Farbpalette ruhiger und monochromer. Schlafzimmer für Kinder und Gäste werden gesondert behandelt. Weitere Aufmerksamkeit schenkt die Designerin dem Eingang – der Visitenkarte eines Hauses –, Bädern und dem Aussenbereich.


Zwei Seiten aus dem Buch «Classic Country» (Bilder zT aus dem Buch fotografiert)

Kathryn Ireland erzählt zu den meisten Bildern die Geschichten, die «dazu gehören», wie sie sagt. Schon deshalb ist es ein sehr persönliches Buch geworden, das nicht nur Listen mit Tipps und Tricks enthält, wie man sie anderswo zuhauf bekommt (beispielsweise, dass sich hohe und niedrige Elemente abwechseln sollen). Es zeigt vielmehr, wie sehr persönliche Vorlieben und Eigenheiten den Prozess des Einrichtens führen und prägen.
Wenn im Idealfall ein Raum hilft, sich selbst auszudrücken, kann eine gelungene Einrichtung dazu beitragen, ganz neue Seiten an sich zu entdecken und aufzudecken. Kathryn Ireland hat dieses Prinzip verstanden.


Bunt oder Karo – Country-Schlafzimmer haben viel Charme
  • Classic Country
  • Kathryn M. Ireland
  • Gebundene Ausgabe: 224 Seiten
  • Verlag: Gibbs M. Smith (30. November 2007)
  • ISBN-10: 1423601688
  • ISBN-13: 978-1423601685

Samstag, 26. April 2008

RIZZOLI: ADRESSE FÜR SCHÖNE BÜCHER

Heute geht es nicht um ein einzelnes Buch, sondern einen Verlag: Rizzoli International Publications USA. Dieser Verlag hat sich in den letzten Jahren zu einem der führenden Häuser entwickelt, wenn es um qualitativ hochwertige Bildbände geht. Nicht nur im Themenbereich Interior Design, auch Liebhaber von Photographie, Kunst, Weinkunde, Mode etc kommen auf ihre Kosten. Ein Besuch auf der Homepage www.rizzoli.com lohnt sich.


Wir bleiben beim Interior Design. Hier hat Rizzoli einige Bücher im Angebot, die mit Fug und Recht als Standardwerke gelten dürfen.

Donnerstag, 24. April 2008

DOMINO – EIN MAGAZIN MIT STARQUALITÄT

Noch einmal beginne ich ein post mit den Worten
Kennen Sie..."Domino"?


April 08 und Mai 08

Das US-amerikanische Wohn-Magazin Domino ist relativ neu auf dem Markt und eine der erfolgreichsten Lancierungen des CondeNast-Verlages der letzten Jahre.
Domino richtet sich an vielbeschäftigte, stilbewusste Menschen, die ihre Wohnungen und Häuser zwar gemütlich einrichten möchten, aber weder die Zeit noch unbegrenzte Mittel für Möbel und Einrichtungsprofis haben, wie dies beispielsweise in Zeitschriften wie der Elle Decor suggeriert wird. Das Zuhause soll glücklich machen, aber nicht um jeden Preis. Deshalb gilt für Domino die Devise: Repaint, repaper, reupholster, also übermalen, neu tapezieren und neu überziehen. Entsprechende Tipps gibt es zuhauf, und auch vor Ikea hat man in der Redaktion anscheinend keine Angst. Man kann ebenso alt und neu kombinieren wie teuer und preiswert. Das Magazin kommt erfrischend selbstbewusst und unkompliziert daher.

Einen Wow-Faktor hat Domino aber allen anderen Hochglanz-Postillen voraus: Die Stars. In der April-Ausgabe zeigte Hollywood-Star Drew Barrymore die neu eingerichteten Büros ihrer Filmproduktionsgesellschaft Flower Films. Dabei zeigt sich auch, dass solche Magazine Karriere schaffen können – Barrymore engagierte die junge amerikanische Designerin Ruthie Sommers, welche die allererste Ausgabe von Domino zierte, eben wegen dieses Titelbildes.

Ruthie Sommers für Drew Barrymore (Photos von Stewart Shining)

Die Mai-Ausgabe, die seit heute an den amerikanischen "Newsstands" ausliegt, porträtiert Hollywood-Star Julianne Moore in einer ungewohnten Rolle – als Innendekorateurin (Cover oben). Sie macht das unbemerkt von den Scheinwerfern schon eine längere Zeit und mit beachtlichem Stilgefühl und Erfolg. Nun hat sie für ihre Stylistin deren Wohnung umgekrempelt, für ein Budget von 15000 Dollar. Übrigens: Julianne Moore schwört auf Ikea!


Juliannes Moores Arbeit (Photos by Paul Costello)

Leider habe ich noch keinen Kiosk gefunden, der Domino in der Schweiz oder Deutschland auflegt (in Grossstädten habe ich noch nicht gesucht). So blieb mir nichts anderes übrig, als das Magazin zu abonnieren. Bei den derzeit tiefen Dollarkursen ist ein Jahresabo in jedem Fall günstiger als die Einzelausgaben. Bereut habe ich es nicht, Domino ist anders als alle Magazine die ich kenne, sowohl in deutsch, englisch oder französisch. Wie immer gilt: Man muss den amerikanischen Stil mögen. Im Herbst soll übrigens das ersten Buch aus der Redaktion erscheinen.

Auf der Internetseite www.dominomag.com kann man nicht nur einen kurzen Blick in das aktuelle Heft werfen und das Inhaltsverzeichnis studieren; die Seite hält auch Bildergalerien und Tipps zu vielen Einrichtungsthemen bereit, beispielsweise Wohnen mit Farben, Wohnen mit Büchern sowie Dossiers von einigen Design-Talenten wie Peter Dunham oder Fawn Galli.


Arbeiten von Fawn Galli (Photo Laura Resen) und Peter Dunham (Photo Miguel Flores-Vianna)
(all pictures: courtesy Domino)

Dienstag, 15. April 2008

WAS KOMMT…



In kommenden Beiträgen werden unter anderem folgende Bücher und Portfolios vorgestellt:
Des weiteren werden wir einen Blick auf den aufregenden Bücherherbst werfen, der Neuerscheinungen von unter anderem diesen Designern verspricht: Jeffrey Bilhuber, Charlotte Moss und Michael S. Smith.

ES GEHT IMMER BUNTER

Kennen Sie Jonathan Adler?
Wenn nicht, wird es höchste Zeit... Hier ein Vorgeschmack:

Impressionen aus einem New Yorker Apartment, ca 2006

Hierzulande ist er noch am ehesten als
Keramik-Künstler bekannt, der witzige Vasen in Eulenform oder mit freundlichen Gesichtern rundum kreiiert oder Elefanten und Giraffen modelliert. Der "New-York-based"-Designer, dessen Credo lautet, dass man alles tun kann, darf und undbedingt soll, hat sich darüber hinaus einen Namen gemacht mit einer erstaunlich feinsinnigen Möbelkollektion – die Lacktische sind definitv ein Musthave! – und richtet Hotels und immer mehr Privathäuser ein.


Noch einmal das New Yorker Apartment, diesmal eine Ecke des Wohnzimmers

Leser amerikanischer Magazine werden Adlers überschwänglichen, sehr 70ties-dominierten Stil sofort erkennen. In seinem Wochenendhäuschen in den Hamptons hat er einen englischen Schreibtisch (die mit den Messingbeschlägen) in knalligem Pink lackiert und in einem New Yorker Apartment (u.a. 3 Bilder oben) hat er ein klassisches Highboard in scharfem Gelb vor einer wildrosa Tapete platziert. Braun mit Orange ist einer seiner erklärten Lieblingskombinationen (was ja auch sehr 70ties ist). Er kann aber auch elegant, beispielsweise in unschuldigem Weiss, und nennt das dann "Salon-Style".

Giraffe, Eulen-Schirmständer und gestreifte Vase (links) stammen aus Adlers Keramik-Kollektion

Wer tiefer in Jonathan Adlers Welt eintauchen will, ist mit seinem Erstlingswerk «My prescription for anti-depressing living» gut beraten. Das Cover zeigt einen gut gelaunten Adler, umgeben von selbst entworfenen Stücken und in Gesellschaft seines geliebten Hundes Liberace. Privat ist Adler mit Simon Doonan liiert, dem Kreativdirektor von Barney's in New York (seine Schaufenster-Kreationen sind Kult). Dass die beiden ein glückliches Leben führen, glaubt man ihnen sofort.


Das Cover und eine Doppelseite

Jonathan ist kein Minimalist. Er liebt Tapeten, Kitsch, Troddeln und bestickte Kissen, es kann nie zu üppig und erst recht nicht zu bunt sein. Das Buch ist dementsprechend ein visuelles (Farb-)Fest. Hermès-Orange hat es ihm besonders angetan, aber auch Schokoladenbraun mit Baby-Blau oder Grün sowie "unexpected neutrals" (unerwartete, neutrale Farbtöne) finden reichlich Anwendung. Darf es ein Schlafzimmer in den Farben des Union Jack, der britischen Nationalflagge sein? Bittesehr. Farben können niemals kollidieren, sagt Adler. Was er "Rustikale Moderne" (Bild unten) nennt, ist allerdings für unsere europäischen Augen gewöhnungsbedürftig und entspricht mehr der amerikanischen Vorliebe für braun-lastige Einrichtungen.


Rustikale Moderne à l'Americaine

Auf der Homepage www.jonathanadler.com findet man ausser einem breiten Angebot an Keramik, Kissen und Möbeln auch die Zehn Gebote für ein glückliches und "stylish" Heim: Selber lesen!

Interessant ist auch sein Manifest, in dem er unter anderem seine "Musen" kürt: David Hicks, Alexander Girard, Gio Ponti, Andy Warhol, Yves Saint Laurent und Madonna. Unter "Interior Design" werden einige der schönsten Projekte vorgestellt. Seit neustem schreibt der "bunte Vogel" der Designszene übrigens in einem eigenen Blog über das, was ihn gerade beschäftigt (Link über seine Homepage).
Falls das Buch in Deutsch erscheint, werde ich das sofort melden...
(Bilder courtesy www.jonathanadler.com und Harper Collins USA)