Das Cover zeigt das Wohnzimmer von Tony Duquettes Anwesen «Dawnridge»
Tony Duquette: Der Name ist Legende. Er steht für Kostüme und Kulissen für Film und grosse Bühne, für Kunstobjekte und Schmuckstücke. Er steht für Pomp, Exotik, üppige Farben – und für einen überwältigenden Einrichtungsstil. Obwohl er kein Interior Designer im klassischen Sinn war, hat Tony Duquette mit seinem Stilgefühl eine ganze Berufsgattung nachhaltig beeinflusst, und das über seinen Tod hinaus. Er starb 1999 im Alter von 85 Jahren. Jetzt ist eine grosse Monographie über den rastlos Kreativen erschienen.
Doch von Anfang an. Duquette (geb. 1914) begann seine Karriere im Los Angeles der 40er Jahre in der Modewerbung und kam dabei mit grossen Männern wie Adrian und William Haines zusammen. Entdeckt wurde er jedoch von einer Frau: Elsie de Wolfe, der Grand Dame des Interior Designs (sie machte den Beruf salonfähig). Duquette entwarf Kostüme und Bühnenbilder für Oper und grosse Hollywood-Studios (MGM). 1961 wurde er für seine Arbeit an der Broadway-Produktion «Camelot» mit einem Tony Award geehrt. Als Künstler bekam als erster Amerikaner eine Soloausstellung im Pariser Louvre.
Tony Duquette präsentiert das Collier für die Herzogin von Windsor, ca. 1951;
an der Figur erkennt man bereits das Strahlenförmige
an der Figur erkennt man bereits das Strahlenförmige
Seine Kundenliste liest sich wie das Who'sWho von Hollywood und dem internationalen Jetset. Er arbeitete mit Vincente Minelli (und entwarf einen Stuhl für ihn), kleidete Fred Astaire und Richard Burton ein; Shirley McLane tanzte in seinen Bühnenausstattungen, Burt Lancaster filmte in seinen Kulissen. Greta Garbo gehörte zum engen Freundeskreis. Schmuck und Kleider entwarf er nicht nur für seine geliebte Frau Beegle (sie waren 46 Jahre verheiratet); die Herzogin von Windsor bestellte und bekam ein wertvolles Collier. Für die Kosmetikgigantin Margret Astor musste es schon ein Schloss in Irland sein.
Tony Duquette richte am liebsten seine eigenen Anwesen ein. Als ihn mit der Zeit immer mehr Kunden und Freunde baten, auch ihre Privat- oder Geschäftsräume zu gestalten, entstand der Geschäftszweig Interior Design. Ein Markenzeichen seiner Arbeit ist die vielstrahlige Sonne, die man in Schmuckentwürfen und an Lüstern ebenso findet wie in Deckengemälden oder über Hauseingängen.
«Sortilegium» wurde 1993 von einem Buschfeuer zerstört
Ihr privates Paradies, ihren «Garten Eden» errichteten die Duquettes in den Bergen von Malibu, eine 150 acres grosse Farm mit verschiedenen Gebäuden und exotischen Pflanzen, genannt «Sortilegium» (lateinisch = Verzauberung). Das Lebenswerk des Künstlerpaares wurde 1993 von einem Buschfeuer vollständig zerstört und nicht wieder aufgebaut. Vor einigen Jahren stand das Grundstück zum Verkauf.
Geblieben ist, neben den Artefakten, das Haus in Beverly Hills: «Dawnridge» ist heute das Hauptquartier einer weit verzweigten Design-Organisation, die weiterhin Schmuck- und Design-Kollektionen im Sinne des Meisters fertigt.
Duquettes Büro in «Dawnridge» und seine letzte Arbeit: Palazzo Brandolini in Venedig
Nun ist über den kreativen Übervater in prächtiger Bild- und Leseband erschienen: «Tony Duquette – A Strange Eden».
Das Buch zeigt die faszinierende Bandbreite des Schaffens. Neben Bildern (zT. nie zuvor öffentlich gezeigt) aus eigenen und für Kunden eingerichteten Häusern sind etliche Fotografien aus der Zeit in Hollywood und am Broadway zu sehen, ausserdem viele Schnappschüsse aus dem Familienalbum, Skizzen für Kulissen und Kostüme, Schmuckentwürfe und handschriftliche Notizen. Freunde wie Liza Minelli und Fotograf Bruce Weber erzählen vom Menschen Tony Duquette.
Das Ankleidezimmer in «Cow Hollow», ein Schlafzimmer-Alkoven in «Dawnridge»
(alle Bilder courtesy http://tonyduquette.com/index.htm/ Verlag Harry N. Abrams)
(alle Bilder courtesy http://tonyduquette.com/index.htm/ Verlag Harry N. Abrams)
Sein Einrichtungsstil ist pompös, glamurös, exotisch: Rot und Grün, die bevorzugten Farben Duquettes treffen auf Gold, die Wirkung ist in diesen Dimensionen umwerfend. Asiatische Elemente, Tierfellmuster, Spiegel und üppige Ornamentik, es konnte nie genug sein. Der vorhandene «Raum» wird bis in die letzte Ecke detailverliebt ausgestattet. Trotzdem wirken die Räume bis heute erstaunlich modern und vor allem elegant.
Das erklärt wohl auch die anhaltende Faszination. Tony Duquette hatte enormen Einfluss auf das zeitgenössische amerikanische Design. Eine prominente Vertreterin ist sicherlich Kelly Wearstler. Die 40jährige Amerikanerin, die durch Hotelumbauten bekannt geworden ist, hat ihre Residenz Hillcrest sehr «duquettesk» (Bilder unten) hergerichtet.
Das Wohnzimmer des Ducommun-Anwesens in Bel Air, entworfen von Tony Duquette,
ist heute ein Vorbild für zeitgenössische Eleganz
ist heute ein Vorbild für zeitgenössische Eleganz
Zum Vergleich: Bilder aus Kelly Wearstlers Anwesen Hillcrest,
(Bilder dem Band «Domicilium Decoratus», Kelly Wearstler, Harper Collins, entnommen)
«Tony Duquette – A Strange Eden» ist Biographie, Zeitzeugniss und Inspirationsquelle zugleich. Ob man die Lektüre nur geniesst oder die Bilder als Anleitung benutzt, eigene Wohprobleme zu lösen, liegt am Betrachter. Duquette hätte die Idee sicherlich gefallen, dass sein «Sortilegium» in vielen kleinen, privaten Projekten weiterlebt.Kostengünstig ist der fast 400 Seiten starke Band nicht (je nach Anbieter bis zu 75 € oder ca. 120 sFr, bei amazon.com für 75 USD), aber er gehört sicherlich in jede ambitionierte Sammlung zum Thema und ist für Designinteressierte ein optischer Festschmaus. Qualitativ ist das Buch erstklassig gemacht und seinen Preis wert.
Auf der Homepage von Tony Duquette kann man sich übrigens über Biografie und Werk informieren und weiter auf das Buch einstimmen.
- Tony Duquette: A Strange Eden
- Autorin: Wendy Goodman,
- Verlag: Harry N Abrams Inc (Dezember 2007)
- Sprache: Englisch
- ISBN-10: 0810994135
- ISBN-13: 978-0810994133










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