Samstag, 3. Mai 2008

THE HAMPTONS – MEHR ALS COUNTRY CLASSIC

Wer dieses Buch in die Hand nimmt, bekommt eines bestimmt nicht: den klassischen Country-Stil.
Deshalb heisst das Motto wohl auch «Share the fantasy». Denn um Fantasie(n) geht es: «Designing the Hamptons» zeigt, was amerikanische Designer meinen, wenn sie «Ferienhäuser» einrichten.
Viele der gezeigten Residenzen würde man eher in der Grossstadt erwarten, wäre da nicht der atemberaubende Ausblick aus dem Küchenfenster über Dünen auf den Atlantik. Selbst der eine oder andere Swimmingpool hat Meerblick.
Die Hamptons sind ein bevorzugtes Rückzugsgebiet der Reichen und Schönen. Einige der prächtigsten Villen und Ferienanwesen findet man an dem schmalen Küstenstreifen im Nordosten der USA; und nicht alle gehören Klienten.
Es geht aber auch kleiner und bescheidener. Etliche Stadtflüchtige suchen hier nicht den Luxus, sondern das einfache Leben und entsprechend «leicht zu pflegende» Hütten.


Minimalistisch à la Bonetti/Kozerski, das unscheinbare Cover, ein Raum von Robert Stilin

Ein einheitliches «Ferienfeeling» kann man nicht feststellen, allenfalls lässt sich eine Vorliebe für Retro erkennen. Ob im klassischen «Shingle»-Stil (mit Holzschindeln verkleidete Fassaden) oder grosszügige Bauten mit einem eigenen Observatorium ausgestattet, Bequemlichkeit geht bei allen gezeigten Anwesen vor Formalität. In der von Arthur Dunnam umgebauten Windmühle, diese ist eher klassisch eingerichtet, wird klar, was der Designer bezweckt: «Es soll so aussehen, als ob es genau hierher gehöre und schon immer da gewesen sei.» Nicht alle Designer sind so traditionsbewusst. Der kubastämmige Innenarchitekt Vincente Wolf hat seine unverkennbare Handschrift mitgebracht; ein halbrundes Sofa und zwei bequeme Ledersessel, milchigweisse Wände ohne Bilder, dafür einige exotische Kleinmöbel als Accessoires. Die dominierende Farbe ist beigebraun. Elegant, aber austauschbar.
Interior Designer Stephen Gambrel hat ein Haus mit ungewöhnlichen Farben ausgestattet, beispielsweise pflaumenblau. Und selbst Jamie Drake, sonst bekannt für farbenprächtige Räumlichkeiten (viel pink), schlägt in den fünf Meter hohen Räumen eines Anwesens dezente Töne an: Gelb und Türkis sind die stärksten Akzente in einer sonst naturnahen Palette.


Stephen Gambrel und die Hamptons – eine klassische Liebe


So richten Thomas O'Brian, Joe Nahem und Tony Ingrao in den Hamptons ein

Hier und da findet man Klassiker der Möbelgeschichte, wie bei
dem New Yorker Innenarchitekten und Möbeldesigner Thomas O'Brian; ein Noguchi-Tisch steht vor einem riesigen Kamin aus Sichtsteinen, man sitzt auf Stühlen von Jean Prouvé und Bertoia, klare Linien dominieren das retro-moderne Interieur. Selbst asiatischer Minimalismus ist zu finden; kein Gegenstand im von Enrico Bonetti und Dominic Kozersk entworfenen Wohnzimmer lenkt von dem umwerfenden Strandpanorama ab. Am ehesten die Idee eines Ferienhauses erfüllen vielleicht noch die männlich-herbe Einrichtung von Robert Stilin (mit ehrwürdig gealtertem Egg-Chair) oder das gemütliche, quitschbunte Häuschen von Design-Rumpelstilzchen Jonathan Adler (sein Portfolio – siehe sep. Post)


Jamie Drake's Ostküstenfantasie

Folgende Designer zeigen ihre Arbeit: Joe Nahem, Steven Gambrel, Thomas O’Brien, Jamie Drake, Jack Ceglic, Waldo Fernandez, Mark Zeff, Tony Ingrao and Randy Kemper, Tom Flynn, Bill Sofield and Dennis Anderson, Robert Stilin, Enrico Bonetti, Dominic Kozerski, Michael Haverland and Philip Galanes, Thom Filicia, John Barman and Kelly Graham, Vincent Wolf, Jonathan Adler and Simon Doonan, and Arthur Dunnam.
Natürlich kann man nicht alle Bilder zeigen, aber bei einigen habe ich Links zu den Portfolios erstellt, dort sind
(in den Portfolios) auch die entsprechenden Anwesen zu sehen...

  • Designing the Hamptons, ed. Diana Lind
  • Gebundene Ausgabe: 316 Seiten
  • Verlag: Edizione Press (Mai 2006)
  • Sprache: Englisch
  • ISBN-10: 1931536716
  • ISBN-13: 978-1931536714
.

Keine Kommentare: