Nach dem antiseptischen Clean Chic des ausgehenden 20. Jahrhunderts hat sich in den letzten Jahren im Design still und leise ein Begriff (re)etabliert, der unsere Ansprüche an das Wohnen bestimmt: Glamour. Aber was ist Glamour? Ist es purer Luxus? Ist es die Lage? Kann ein Bauernhaus glamourös sein?In dem gerade druckfrisch erschienenen Buch "Glamour - Making it modern" unternehmen Profis die schwierige Aufgabe, die Frage zu beantworten.
Die Beispiele stammen aus dem amerikanischen Interior-Design-Magazin "Metropolitan Home", das viel Erfahrung mit dem Thema hat; Autor Michael Lassell hat schon in zwei anderen Büchern ("Renovate" und "Decorate") die besten Bilder aus MetHome zusammengefasst.
Die Designer erklären Glamour anhand von Bildern, denn sie sind der Überzeugung, dass man Glamour erkennt, wenn man ihn sieht.
Nun denn.
Wir sehen elegant geschwungene Treppenläufe, die direkt aus einem Hollywood-Streifen der 30er stammen könnten. Die visuelle Sprache dieser alten Filme hat übrigens unser Verständnis für glamourösen Lifestyle stark beeinflusst. Wir sehen imposante Kamine, die grösser sind als manches Eigenheim. Und wir sehen Räume, die die Höhe einer Kathedrale haben. Ist das Glamour?
"Glamour - Making it modern" bringt Bilder, die auch Träume von uns "Normalos" erfüllen können: Ein antiker Tisch, einen gemütlicher Ohrensessel und ein Computer; eine bunte Eckgarnitur vor einer Bilderwand, eine Anrichte mit vielen, vielen Vasen als Dekoration.
Die Kapitel im Buch sind geschickt gelöst. Zuerst teilt Lassell Bilder und Text nach "Konzepten" ein - Grössenverhältnisse, Farbpaletten, Antiquitäten, Asia-Einfluss. Er beleuchtet einzelne "Objekte, die Glamour vermitteln helfen: Treppen, Kamine, Leuchter, Spiegel und Daybeds. Der dritte Teil ist einzelnen Räumen gewidmet: Wohnen, Essen, Küche, Schlafen und Badezimmer.
Interior Designer Larry L. Laslo hat eine klare Vorstellung von Glamour: "Nichts sieht langweiliger aus als ein Raum, der nur in einer Stilperiode eingerichtet ist." Das heisst, ein total mit Biedermeier eingerichtetes Wohnzimmer ist genauso seelenlos wie ein Schlafzimmer, das direkt aus China importiert sein könnte. Der Mix machts, wie so oft... Carlo D'Aquino sagt es deutlich: "Wenn ein Kunde "Glamour" verlangt, bekommt er einen Raum, der Antiquitäten mit neueren, moderneren Möbeln perfekt verbindet." Geschickt eingesetzte Akzentfarben, fliessende Stoffe und klare Formen sind weitere Tricks.
Die Erkenntnis nach 240 Seiten: Es gibt kein Rezept für Glamour. Aber es gibt viele Möglichkeiten, Glamour in die eigenen vier Wände zu bringen...
Ich glaube, Glamour liegt in der Kunst der Reduktion. Nicht im Minimalismus! Aber genau wissen, wieviel ein Raum verträgt, das ist die Kunst. Das kann in der einfachsten Berghütte ebenso funktionieren wie in einem Georgian Reihenhaus am Eaton Place, einem französischen Lustschloss oder einem kleinen Einfamilienhaus in der Münchner Vorstadt. Glamour funktioniert in jeder Preislage, in jedem Umfeld und in jeder Stadt.
- Glamour - Making It Modern
- Autor: Michael Lassell
- Gebundene Ausgabe: 240 Seiten
- Verlag: Filipacchi Art (1. Juni 2009)
- Sprache: Englisch
- ISBN-10: 1933231564
- ISBN-13: 978-1933231563
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