Das Cover zeigt das Haupthaus «The Manor»
Selten war ein Buchtitel so treffend gewählt wie dieser.
«An Affair with a house» erzählt von einer echten, wenn auch ungewöhnlichen Liebesaffäre. Hauptdarsteller sind die bekannte amerikanische Interior Designerin Bunny Williams und ein Anwesen aus dem 18. Jahrhundert im idyllischen Nordosten der USA.
«Manor House», das Haupthaus es weitläufigen Landsitzes, war als «weisser Elefant» seit Jahren ein Ladenhüter auf dem Immobilienmarkt eines verschlafenen Dorfes in Connecticut. Für Bunny Williams war es Liebe auf den ersten Blick.
«Ein Haus zu kaufen ist wie sich verlieben», sagt Williams – man sieht alles durch einen rosarote Brille und blendet negative Aspekte völlig aus. Sieben Monate schufteten die Designerin und ihr damaliger Mann auf der Baustelle und kratzten eigenhändig Farbschicht um Farbschicht von den Wänden. Die Küche, ein Schlafzimmer und die Bibliothek als Aufenthaltsraum mussten für den Anfang genügen. Das Wohnzimmer wartete vier Jahre auf seine Wiederauferstehung. «Dekorieren braucht seine Zeit», feixt Williams. Sie muss es wissen, ist sie doch seit 30 Jahren gut im Geschäft.
Zeitlose Eleganz wäre wohl die beste Umschreibung für den Stil Williams; klassisch und unaufdringlich sind die Interieurs auf jeden Fall. Dabei achtet die Designerin immer auf die Prise Modernität, die einem Raum den WOW-Faktor verleiht: «Ein Raum soll das Interesse des Betrachters nicht nur kurzfristig wecken, sondern auf Dauer anregen» sagt Williams. Sie spielt dafür mit Stilen und «period details», mixt Texturen und Strukturen. Es gibt immer viel zu entdecken.
Mit zahlreichen Bildern – von der Totalen eines Raumes bis zur Detailaufnahme – lädt Williams die «Besucher», in diesem Fall die Leser, zu einem Rundgang durch das Haus ein. Sie erzählt Anekdoten zu Möbelstücken und warum es für das Wohnzimmer – the «Living Room» – ausgerechnet dieser bestimmte Pfirsichton sein musste, den sie in Florenz entdeckt hatte... Besondere Aufmerksamkeit gilt natürlich der Bibliothek, der die passionierte Leserin den Vorzug vor allen anderen Wohnräumen gab.
Liebe zum Detail: Gästezimmer im Haupthaus/Esstisch im Gästehaus
(Bilder courtesy Stewart, Tabori & Chang, zT aus Buch fotografiert)
(Bilder courtesy Stewart, Tabori & Chang, zT aus Buch fotografiert)
In kurzen Zwischenkapiteln gibt der Profi praktikable Einrichtungstipps, beispielsweise zum Sammeln und Präsentieren von Kunstwerken oder Büchern, das Leben mit Haustieren oder die Ausstattung einer Hausbar, Tischdekorationen und Blumenarrangements. Selbst echt amerikanische Küche gibt es – in Bildern und in Rezepten (zB. eine Karrotten-Erdnuss-Suppe und die klassischen Frühstückspfannkuchen)
«The Barn» ist das Herzstück des Anwesens und sehr «Bunny-esk» in der Dekoration
Über die Veranda geht die Besichtigungstour weiter in den Garten – ein Paradies in Grün – und in die Scheune, das «pièce de resistance». «The Barn» von heute hat mit einem Heuschober (was sie früher tatsächlich mal war) so viel gemein wie mit einer Garage (was sie auch einmal war): Der riesige Raum unter alten Balken ist längst der soziale Mittelpunkt im Leben von Bunny Williams und ihrem heutigen Mann, dem Antquitätenhändler John Rosselli, geworden. Die Möbel haben die beiden auf der ganzen Welt gesammelt. «Wir brauchen eigentlich nichts mehr», sagt Williams, «und finden doch immer wieder etwas Neues». Wer kennt das nicht?
Im «Conservatory» wird serviert, was in der Küche zubereitet wurde
(alle grossen Bilder courtesy www.bunnywilliams.com/portfolio)
(alle grossen Bilder courtesy www.bunnywilliams.com/portfolio)
Vorbei am Hühner-Pavillon und der Volière (selbst diese sind ein Muster an Stil und Eleganz) und dem Gemüsegarten führt uns die Hausherrin zum Poolhaus, das von der Silhouette her ein griechischer Tempel ist, in der Bauweise aber an ein grob gezimmertes Ferienhaus in den Adirondacks erinnert.
Alles bis in die hinterste Ecke liebevoll ausgestattet und arrangiert. Besonders die reichlich vorhandenen Sitzecken im Freien, sei dies auf einer gedeckten Veranda (die unvergleichliche «Porch» oder auf einer Picknickdecke am eigenen Weiher, laden zum Verweilen ein. Durch weitere Gartenabschnitte findet die Tour im Gästehaus schliesslich ihr Ende. Wer das Glück hat, hierher eingeladen zu werden, nächtigt in einem Haus, das ein Paradebeispiel des «Greek Revival» ist, für den die Gegend berühmt ist. Und er wird verwöhnt: Bunny Williams listet detailliert auf, was ihrer Meinung in ein gut ausgestattetes Gästezimmer gehört.
Einer der vielen Sitz- und Relax-Plätze/Pflanzenkollektion auf der Veranda
Bibliothek und Wohnzimmer im Haupthaus
Die Bilder der verschiedenen Räume sind ein visuelles Fest, der wahre Augenschmauss sind jedoch die verschiedenartigen Gärten. Ihnen wird in diesem Buch eigentlich überproportional viel Platz eingeräumt. Aber sie machen das aus, was das Williams-Anwesen zu einem harmonischen Ganzen werden lässt.
Impressionen aus dem weitläufigen Garten
- An Affair with a House
- Autorin: Bunny Williams
- Gebundene Ausgabe: 240 Seiten
- Verlag: Stewart Tabori & Chang (23. Februar 2007)
- Sprache: Englisch
- ISBN-10: 1584794704
- ISBN-13: 978-1584794707




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